Steffi und Gunther schrieben am 07.05.2013:
24. August 2017
Jenny schrieb am 02.02.2013
24. August 2017

Hallo zusammen,

möchte Euch nun endlich mal von meiner Geburt im Geburtshaus Dortmund berichten. Doch dazu bedarf es einer langen Vorgeschichte:

Meine Schwangerschaften sind immer relativ problematisch gewesen. Ich habe alle 3 Male unter Schwangerschaftsdiabetes (ohne Insulin) und vorzeitigen Wehen gelitten und musste die ersten beiden Male auch im Krankenhaus liegen und an die Tokolyse. Meine ersten beiden Kinder kamen bei 35+3 und 37+0 im Krankenhaus zur Welt (beide Male PDA). Auch wenn die Geburten für mich ambulant und relativ unproblematisch waren, mussten die Kinder in die Kinderklinik. Merlin ganze 14 Tage, weil er ein Frühchen war, Lillian nur 3 Tage, weil wir abwarten mussten, ob sie nach der Einnahme von Antidepressiva Entzugserscheinungen bekäme.
Daher war mein größter Wunsch, mein drittes und voraussichtlich letztes Kind im Geburtshaus zu entbinden und auch endlich mal mitnehmen zu dürfen. Die Voraussetzungen dafür waren allerdings, dass ich es bis 37+0 schaffe und mein Diabetes weiterhin nicht insulinpflichtig wird.

Der errechnete Termin war der 09.02.2012, mein persönlicher Stichtag (37+0) war damit der 19.01. Leider gab es weitere Probleme in der Schwangerschaft. Ende November platzte mir durch Husten eine Rippe vom Rippenknorpel. Ab da hatte ich höllische Schmerzen, konnte mich kaum bewegen. Ich hatte ein Polyhydramnion (zu viel Fruchtwasser) und daher stand mein Brustkorb unter schrecklicher Spannung. Anfang Dezember und am 23. Dezember folgten 2 weitere Rippen. Ich ging am Stock! Gegen die starken Schmerzen bekam ich Tramal, ein Opoid, was mir zumindest die Schmerzen nahm und gute Laune machte. Für das Kind war die Dosierung relativ unproblematisch. Aber mehr konnte man einfach nicht machen.

Aber es gab da ja noch meine Frauenärztin, die mich verrückt machte. Sie ist absolut gegen Geburtshäuser und wollte mir unbedingt einreden, dass ich ein ganz kritischer Fall bin. Sie schob mein erhöhtes Fruchtwasser auf die Diabetes, zudem war sie der Meinung, das Kind sei viel zu groß und sprach sich gegen eine außerklinische Geburt aus. Zitat: “Oder nehmen sie auch ein totes Kind?”
Nur, war mein Diabetes super eingestellt und das Kind hatte zwar einen großen Kopf, aber der war genau so groß wie bei meinem Sohn zu dem Zeitpunkt und der hat einfach einen Dickschädel. Ich war der Überzeugung, dass das genetisch bedingt war und nicht eine “Fehlentwicklung”.

Ein Spezialultraschall kurz vor Weihnachten gab mir recht und die Ärztin fand das Kind nur unwesentlich zu groß. Für die erhöhte Fruchtwassermenge konnte auch da kein Grund gefunden werden.

Eine große Stütze waren mir in der Zeit die Hebammen im Geburtshaus. Sie ermutigten mich, mich auf meine Gefühl zu verlassen und nicht auf irgendwelche Messwerte. Sie hatten zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, das Kind sei zu groß oder etwas anderes nicht in Ordnung. Sonst hätten sie mich für eine Geburtshausgeburt auch abgelehnt.

Nun war also die einzige Hürde noch, die 37+0 zu erreichen, also Samstag den 19.01. Mir ging es dreckig, richtig dreckig. Ich zählte die Tage, mein Brustkorb fühlte sich an, als ob noch weitere Rippen kurz vorm abspringen wären und ich wusste nicht, wie ich noch durchhalten sollte. Die ganze Woche vorher hatte ich abends Wehen und Zähneklappern und hatte das Gefühl, dass mein Körper in den Startlöchern steht. Aber ich wollte ja unbedingt durchhalten…
Freitag den 18.01. ging es mir schon morgens dreckig. Ich musste mich übergeben, hatte Zähneklappern und mein Kreißlauf war total unten. Mir war klar: Es ist Schluss, es geht los…. Wehen hatte ich noch keine^^

Nachmittags um 15 Uhr zog es etwas im Bauch. Ich rief im Geburtshaus an und zum Glück durfte ich kommen. Wegen ein paar Stunden würden sie mich nicht ablehnen. Immerhin waren es ja noch 9 Stunden bis zum 19.01.
Ich war also da und hatte leichte Wehen aber so richtig tat sich nix. Mumu war bei 2 cm. Bei meiner Tochter war er wochenlang bei 4 cm gewesen. Um 17 Uhr fuhren wir nochmal nach Hause, um dort zu baden, etwas zu essen und noch den Abend bei den Kindern zu verbringen. Um 20 Uhr sollten wir entscheiden, ob wir wiederkommen oder nicht.
Wir aßen also Pizza bzw. Salat, was sehr lecker war, aber ich hab alles wieder von mir gegeben. Ich hatte weiterhin Wehen, die etwas doller wurden, aber ich empfinde Wehen sehr lange als harmlos.

Wir fuhren also wieder hin. Um 20.30 Uhr waren wir zurück im Geburtshaus. Es lag Schnee. Innen war alles aufgeheizt und Kerzen brannten. Eine wunderbare Stimmung. Meine Hebamme Julia gab mir das Gefühl, als wäre mein Besuch das Schönste überhaupt, sie brachte uns Cola und ließ uns dann erstmal machen. Mein Mann und ich kuschelten, ich ging in die Wanne und die Zeit verging. Es war irgendwie nichts Halbes und nichts Ganzes. Zwar hatte ich Wehen, aber so richtig schmerzhaft war es nicht und es ging mir auch alles zu langsam voran. Meine anderen Geburten gingen mit 5 und 3 Stunden recht schnell und ich hatte Angst, dass es falscher Alarm war.

Um Mitternacht war der Mumu bei 4cm und ich war frustriert. Ich wollte nicht wieder nach Hause, ich wollte, dass es endlich losgeht. Julia war total süß, sie massierte mir lange den Rücken und meinte, dass ich mich durch meine Gedanken blockiere. Ich sollte loslassen, auch wenn die Wehen aufhören sei es nicht schlimm. Und so döste ich ein, während sie mich massierte und die Wehen hörten wirklich auf. Neben mir schnarchte mein Mann tief und fest…

Um 1.30 Uhr riss mich ein Schmerz und ein “Knall” aus dem Schlaf. Die Fruchtblase. Das hatte ich noch nie erlebt, sie war sonst immer geöffnet worden. Und dann ging es LOS! Ich hatte schlagartig nicht auszuhaltende Wehen!

Ich riss mir die Kleider vom Leib, weil mein Schweiß in Strömen lief. War ich bisher den ganzen Abend leise gewesen, jaulte ich plötzlich bei jeder Wehe (Hebamme: “Ach wie schön, das ist ja wie aus dem Lehrbuch”). Und ich fluchte und schrie und wollte nur noch sterben^^ (Geburtshäuser sollten verboten werden, ich will eine PDA, JETZT! Warum hat mich keiner gewarnt? Das war die größte Schnapsidee überhaupt, ich will sterben, gebt mir eine Waffe). Allerdings waren Julia und mein Mann beruhigt, denn jemand der so fluchen kann, ist nicht am Ende…

Julia versicherte mir, das ganze würde nicht lang dauern, das war aber für mich aus der Situation nicht ersichtlich. Ich hatte schließlich JETZT Schmerzen und sowieso kein Zeitgefühl. Sie hatte mich ermuntert auf einen Pezziball gebeugt zu knieen, da sie mir andere Geburtspositionen als das übliche Liegen nahelegen wollte. Ich fühlte mich aber ganz schrecklich im Knien, da ich mich so noch aufs Knien bzw. Gleichgewicht konzentrieren musste.

Irgendwann schrie ich: “Darf ich mich jetzt endlich hinlegen?” “Na klar darfst du, das war nur ein Vorschlag mit dem Knien”
Ich legte mich hin und plötzlich hatte ich wieder Kraft, Ich presste und nach einer Presswehe war der Kopf da, nach einer weiteren der Rest! Um 1.57 Uhr, also nur etwa eine halbe Stunde, nachdem meine Fruchtblase geplatzt war. Die zweite Hebamme Sarah hatte noch die letzten paar Minuten mitbekommen.
Ich bin trotz der schnellen Geburt nicht gerissen (bei den beiden anderen hatte ich beide Male einen Dammschnitt). Wir warteten noch auf die Plazenta, die sich als riesiges Monstrum herausstellte. Das war der Grund für das große Kind und viele Fruchtwasser gewesen! (meine Plazenta hatte ich hier bei urbia auch veröffentlicht, die findet ihr, wenn ihr nach “Foto” und “Plazenta” sucht).
Danach kuschelten wir und Julia bot uns an, Baguettes zur Stärkung in den Ofen zu schieben. Wir tranken aber nur Cola und aßen Knoppers und kuschelten. Obwohl ich Bela nicht stillen kann (Antdepressiva nach Geburt), hab ich ihn einmal angelegt, bevor ich meine Tabletten nahm. Es war ein schöner Moment.

Nach 3 Stunden durften wir nach Hause. Bela wurde gewogen und gemessen und angezogen (3300 Gramm, 48 cm und KU 35 cm). Für 37+0 ein strammer Bursche^^ Wir bekamen noch eine Kerze, die während des ganzen Abends gebrannt hatte mit. Eine der Hebammen hat diese inzwischen mit Wachsfüßen verziert und mit Namen und Datum versehen. So eine schöne Erinnerung 🙂

Um 5.30 Uhr kamen wir zuhause an, weckten unsere großen Kinder und kuschelten uns alle zusammen ins Bett. Meinen Rippen ging es durch den Druckverlust schlagartig besser und auch Klein-Bela war topfit. Ich bin so dankbar für dieses wunderbare Geburtserlebnis, was mich für die schwierige Schwangerschaft entschädigt hat.
Natürlich war es schmerzhafter als mit PDA aber es waren immerhin nur 27 Minuten schlimme Schmerzen. Die waren zwar wirklich sehr schlimm, aber was sind schon 27 Minuten im Nachhinein?

Mittlerweile ist Bela 3 Monate alt und das entspannteste und friedlichste meiner Kinder. Wer weiß, ob nicht der schöne Start in die Welt dazu beigetragen hat 🙂

Ich würde immer wieder ind Geburtshaus gehen, aber momentan ist ein 4. Kind nicht in Planung.

Liebe Grüße

Maja mit Merlin (9), Lillian (bald 5) und Bela (3 Monate)